Schmuck im mittelalterlichen Alltag  
Fingerring mit schreitendem Löwen D er Schatzfund von Fuchsenhof zählt zu den bedeutendsten Fundkomplexen des Spätmittelalters. Seine Bedeutung beruht neben der großen Anzahl von Münzen in der beeindruckenden Häufung von Schmuck vorwiegend in Silber und Gold mit Ornamenten und Inschriften. Im Rahmen einer interdisziplinär durchgeführten Studie wurde mit historischer und philologischer Methodik (Dr. Stefan Krabath, Landesamt für Archäologie Dresden und Dr. Gertrud Blaschitz, Institut für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Krems/Donau) die Bewertung von Gold, Silber und Edelsteinen und von daraus gefertigten Schmuckobjekten im Alltag des 13. Jahrhunderts untersucht.

Zur Analyse herangezogen wurden vergleichbare Originalgegenstände, Schriftquellen wie Chroniken und Rechtstexte, zeitgenössische mittelhochdeutsche Dichtung sowie Bildquellen. Besonderes Augenmerk bei der Auswertung der literarischen Quellen galt der mittelalterlichen Bezeichnung der Schmuckstücke - so konnte für den süddeutschen Bereich die Bezeichnung "Spange" bzw. "Fürspan" für die im Schatzfund vorhandenen Gewandverschlüsse identifiziert werden - sowie Angaben zu Form, Funktion und Bedeutung der Materialien und der Objekte an sich.

Die literarischen Schmuckstellen bringen weiters wichtige Erkenntnisse bei Beschreibungen von Dekoren und Motiven sowie bei der Wiedergabe von Inschriften. Bei den Spangen erbringt die Analyse der Motivik auf den literarischen und den realen Objekten eine erstaunliche Übereinstimmung im Dekor. Die Analyse und Interpretation der virtuellen Ringe erbrachte eine große Bandbreite an Funktionen der Fingerringe im mittelalterlichen Alltag. Dabei konnte untermauert werden, dass die Darstellung von Handreichungen auf Ringen wie auf Spangen ein Indiz für die Funktion dieser Schmuckstücke als Verlobungs- und Trauungsgaben gewertet werden kann, auch wenn eine allgemeinere Deutung als Liebes- und Freundschaftsbezeugung nie auszuschließen ist. Die Auswertung literarischer Quellen erbrachte weiters Informationen zur Trageweise von Fingerringen, über den Inhalt von Inschriften und das Programm von Bildern, über das Vorhandensein verschiedener Ringtypen, wie etwa des Siegelringes im 11., 12. und 13. Jahrhundert bei Frauen und Männern. Die umfassendsten Auskünfte gewähren literarische Quellen auf dem Gebiet der Mentalität. Sie gewähren durch Beschreibungen detaillierte Erkenntnisse und erlauben Rückschlüsse auf Funktion und Bedeutung der im Schatzfund von Fuchsenhof geborgenen Objekte im mittelalterlichen Alltag.



 
Fingerring mit Handschlag