Die Münzen  
D er numismatische Anteil des Schatzes von Fuchsenhof enthält neun antike und 6732 mittelalterliche Silbermünzen, 461 Abschnitte von Münzen sowie 130 Münzpäckchen. Dies ergibt gemünztes Silber im Gesamtgewicht von 6015,64 Gramm.

Die Bearbeitung des Hauptteiles der Münzen erfolgte durch Univ.-Doz. Dr. Michael Alram und Dr. Heinz Winter, Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett, Univ.-Ass. Dr. Hubert Emmerig, Universität Wien und Dr. Bernhard Prokisch, Oberösterreichisches Landesmuseum, der böhmischen und mährischen Gepräge durch Dr. Roman Zaoral, Universität Praha.

Die Hauptmasse der Gepräge stammt aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts. Sie besteht aus zwei großen Gruppen, nämlich Wiener Pfennigen und böhmischen Brakteaten, wobei letztere teilweise zu sogenannten Brakteatenpäckchen zusammengedrückt sind. Um diese beiden großen Währungsblöcke gruppiert sich in zeitlicher wie geographischer Hinsicht eine Vielzahl kleinerer Anteile verschiedenster Währungen unterschiedlichen Umfanges. Die Spannbreite reicht von größeren und daher aussagekräftigen Komplexen bis hin zu versprengten Einzelstücken. Daneben sind auch einige antike Silbermünzen enthalten. Alle größeren Währungsgruppen sind in sich homogen, das heißt, ihre Zusammensetzung gleicht derjenigen, wie wir sie aus Heimatfunden der jeweiligen Region kennen. Bemerkenswert ist der relativ hohe Anteil an fragmentierten, intentionell beschädigten bzw. durch Knickung und Faltung manipulierten Münzen, also sekundär veränderten Einzelstücken sowie eine größere Zahl an Silberbarren bzw. Gußkuchen.

Der umfangreiche Bestand an Wiener Pfennigen hat seinen Schwerpunkt in der Zeit Přemysl Otakars II. (1251-1276) und endet aus heutiger Sicht im Hort von Fuchsenhof auf jeden Fall vor 1275, möglicherweise aber bereits in den Jahren nach 1260 und ist damit älter als die eine oder andere Emission aus weiter entfernten Währungsgebieten, in jedem Fall jedoch älter als der böhmische Fundanteil, der bis in die letzte Regierungszeit Otakars, also bis nach 1276 reicht.

Die aus dem Westen in den Fund gelangten Pfennigtypen entstammen sechs Währungsgebieten bzw. -gruppen, von denen vier dem süddeutschen Raum zuzuordnen sind. Den leichten Pfennigen der Region Salzburg-Passau stehen die schwereren bayerischen Pfennige der Münzstätte Regensburg gegenüber. An diese schließt sich im Norden der Umlaufbereich fränkischer Pfennige, überwiegend aus der Münzstätte Nürnberg, an. Aus dem deutschen Südwesten stammt eine Gruppe von Augsburger Brakteaten, der wenige Bodenseebrakteaten beigemischt sind. Die wertgleichen englischen Pennies und Pfennige Kölner Gewichts könnten gemeinsam aus dem niederrheinischen Raum gekommen sein. Dazu mischen sich Denare aus dem oberlothringischen Währungsgebiet.

Der italienische Anteil umfaßt nur wenige Stücke, in der Mehrzahl venezianische Matapane, die in den zeitgleichen Funden Österreichs, Bayerns und des böhmischen Raumes vereinzelt vertreten sind. Die restlichen aus Trient, Mailand und Aquileia stammenden Münzen stellen versprengte Einzelstücke dar, deren Umlaufgebiet sicherlich nicht bis an die österreichisch-böhmische Grenze reichte.

Die zweite große Währungsgruppe neben dem Wiener Pfennig - jene der böhmischen Brakteaten und mährischen Brakteaten und "Denare vom Pfennigtyp", also zweiseitigen Prägungen - umfaßt unter Einschluß der Brakteatenpäckchen gewichtsmäßig ein Viertel des österreichischen Fundanteils, wobei die böhmischen Brakteaten die mährischen Prägungen etwa im Verhältnis 1 : 10 übertreffen. Gleich dem Wiener Anteil stellt sich auch hier die Problematik der Feinchronologie der durchwegs aus der Regierungszeit Přemysl Otakars II. stammenden Typen. Aus dem mährischen Währungsgebiet stammt der Neufund eines Brakteaten des Bruno von Schauenburg (1245-1281), der das Bild der bischöflich-olmützer Münzprägung des 13. Jahrhunderts wesentlich ergänzt. Nach den neuen, aus dem Material des Fundes von Fuchsenhof gewonnenen Datierungsansätzen Roman Zaorals befinden sich im böhmischen Fundanteil die wohl jüngsten Typen des gesamten Hortes. Der Ansatz, wonach der böhmisch-mährische Anteil doch mindestens ein Jahrzehnt jünger als der Hauptanteil des Fundes, nämlich der Wiener Pfennige ist, könnte vielleicht im kleinen Bestand ungarischer Denare und Obole eine Parallele finden. Hier wären vor allem die den Königen Stefan V. (1270-1272) und Ladislaus IV. (1272-1290) zugewiesenen Gepräge zu nennen, da die Regierungsdaten hier eindeutige termini post quos für die Fundverbergung bieten würden. Leider beruht die traditionelle Zuweisung dieser anepigraphen Stücke aber lediglich auf der Fundevidenz, womit ihre Aussagekraft doch erheblich eingeschränkt ist.



 
Böhmische Brakteaten aus der Zeit Premysl Otokar II.
Die Herkunft der Münzen ist breit gestreut: Rom, Wien, Venedig, Akko, Böhmen