Ergebnisse der Archäometallurgie  
Auflichtmikroskopaufnahme eines gravierten Buchstabens "N" mit Werkzeugspuren D inblicke in die Technik einer mittelalterlichen Goldschmiedewerkstatt

Die herausragende Bedeutung des Schatzfundes vom Fuchsenhof für die Erforschung des spätmittelalterlichen Feinschmiedehandwerkes besteht zunächst darin, dass er Schmuckstücke (vorwiegend silberne Fingerringe und Broschen) verschiedenster Produktionsstadien - vom "Barren" bzw. "Gusskuchen" über Halbfabrikate und Fertigprodukte bis hin zum als Rohmaterial wiederverwendeten "Hacksilber" - enthält. Auch sind eine Vielzahl verschiedenster Feinschmiedetechniken (z.B. Giessen, Schmieden, Treiben, Treibziselieren, Punzieren, Gravieren, Löten, Drahtherstellung, Granulation, Feuervergoldung und Niello) vertreten.

Die Beobachtung technologischer Merkmale (z.B. Bearbeitungsspuren, Lötstellen, Granulation, Filigran, Niello) im Lichtmikroskop am Vienna Institute for Archaeological Science, Universität Wien (Dr. Birgit Bühler)- ergänzt durch die Ergebnisse der Gefügeuntersuchungen am Institut für Anorganische und Analytische Chemie an der TU Clausthal (Dr. Stephanie Kaufmann), der rasterelektronenmikroskopischen Untersuchungen und der Materialanalysen (mittels energiedispersiver Elektronenstrahlmikroanalyse im Rasterelektronenmikroskop am Institut für Wissenschaft und Technologie in der Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Wien durch Univ.Prof. Dr. Manfred Schreiner, DI. Michael Melcher) - hat eine Rekonstruktion des Herstellungsprozesses der einzelnen Objekte, die Identifizierung von Fragmenten ein und desselben Schmuckstücks, sowie die Bildung "technologischer" Gruppen, die mit den Ergebnissen der archäologischen Auswertung verglichen werden können, ermöglicht. Hierdurch wurden zusätzliche Kriterien für die historische Interpretation des Fundkomplexes gewonnen.

Vom technologischen Standpunkt aus können zahlreiche Verbindungen zwischen den im "Schatzfund vom Fuchsenhof" enthaltenen Halbfabrikaten, Schmuckstücken und Fragmenten hergestellt werden. Neben Halbfabrikaten, die keinem bestimmten Schmucktyp zugeordnet werden können, sind einige Schmucktypen in diesem Fundkomplex sowohl als Halbfabrikat als auch als Fertigprodukt vorhanden. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Gruppe der kreisförmigen Spangen, die Fertigprodukte unterschiedlicher Größe und Qualität enthält. Hinsichtlich der Grundherstellungstechnik ist diese typologische Gruppe zwar sehr einheitlich, die technische Qualität - die anhand einer Vielzahl von Merkmalen (z.B. Ausführung linearer Ornamente oder Inschriften, Löttechnik, Vergoldung, unterschiedlich aufwendige Gestaltung des Handschlags) beurteilt werden kann - variiert hingegen.

Weiters sind in diesem Fundkomplex auch Halbfabrikate vertreten, die unterschiedliche Produktionsstadien dieses Spangentyps repräsentieren. Dies ermöglicht einerseits eine genaue Rekonstruktion des Herstellungsprozesses; andererseits ist es ein Indiz dafür, dass der Fundkomplex zumindest Teile des Inventars einer oder auch mehrerer Silberschmiedewerkstätten enthält, wobei die technologische Vielfalt - vor allem hinsichtlich der verwendeten Drahtherstellungsverfahren, "Niellomischungen" und Feinbearbeitungstechniken - eher für letzteres sprechen dürfte. Dabei fällt das gleichzeitige Auftreten "alter", seit der Antike bekannter Techniken mit neuen, für das Spätmittelalter und die Neuzeit charakteristische Herstellungsmethoden, besonders auf.



 
Auflichtmikroskopbild eines Spangenkettchens mit abruptem Übergang zwischen verschiedenen Gefügestrukturen